Freitag, 9. Januar 2009

just emotions. no hard fatcs.

Die erste Woche hier in Nottingham neigt sich dem Ende entgegen. Das möchte ich als Anlass nehmen, um ein kurzes Resümee zu verfassen. Stimmt, das wird kein Post, der die Mundwinkel nach oben treiben soll. Nur ein paar Gedanken. Einfach so.

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich Spaß an dem habe, was ich hier mache und was ich hier erlebe. Die Phase des Einlebens würde ich daher als nahezu abgeschlossen betrachten. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich einen gewissen Rhythmus gefunden habe, den ich brauche, um mich wohl zu fühlen. Vor allem was die Arbeit betrifft (der eigentliche Grund warum ich hier bin), gibt es nichts zu meckern.

Elégance UK ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was man im Quelle-Alltag erlebt. Jeder versteht sich auf seine Weise als Teil von Elégance UK und sorgt mit seiner Arbeit dafür, dass der Laden läuft. Da packt auch mal die komplette Büro-Crew mit an, wenn ein LKW vorfährt, um 20 Kartons mit Retouren nach Deutschland abzuholen. Man arbeitet miteinander statt gegeneinander.

Zwangsweise fühle ich mich dabei in meine Konvent-Zeit zurück versetzt. Das liegt wohl zum einen an der Größe des Teams (9 Personen inkl. meiner Wenigkeit), aber auch an dem Gefühl etwas bewegen zu können. Alles scheint unkompliziert (was es trotzdem nicht immer ist).

Für den Moment kann ich aber sagen: mir geht's gut!

Donnerstag, 8. Januar 2009

food: my first blt

Diesmal sagt Wikipedia zu meinem Mittagessen, dass es nicht typisch britisch ist, sondern aus Amerika kommt. Mir soll es egal sein, denn ich habe es noch nie zuvor gegessen.

Dabei ist es so einfach: man nehme zunächst ein handelsübliches Baguette und schneide es auf. Anschließend packt man etwas Mayo rein (hatte ich leider nicht, dazu gleich mehr). Dann kommen die Namensgeber an die Reihe: dicken, fetten bacon, ein ein paar saftige Blätter Salat (lettuce) und noch was fürs Auge, nämlich tomato. Fertig ist das kalorienbombige, aber richtig leckere Mittagessen für herzhafte Genüsse: ein blt.


Jetzt noch die Erklärung, warum ich keine Mayo hatte. Nicht etwa, weil sie zu fett gewesen wäre (das ist auf Grund des Bacon kein Argument). Es handelt sich dabei um ein sprachliches Phänomen: wenn mich die nette Sandwich-Frau fragt, ob ich Mayo drauf haben will, ich aber erst ca. 5 Sekunden später realisiere, was sie mich gefragt hat, ist es zu spät. Um zu verhindern, dass mir irgendeine dämliche Zutat mein Mittagessen verdirbt habe ich schon längst ein "no, thanks" über die Ladentheke geschleudert.

Better luck next time ...

Mittwoch, 7. Januar 2009

living: krasse Küche

In dieser Serie werde ich nach und nach meine Wohnung vorstellen. Das liegt vor allem daran, dass ich dann nicht alle Räume gleichzeitig sauber machen muss (es ist kaum zu glauben, dass man in so wenigen Tagen so viel Unordnung machen kann). Den Anfang der Serie macht die Küche.

Ich möchte mit einer Krisoität starten: ich habe zwei Kühlschränke. Bisher habe ich zwar noch nicht rausgefunden, warum, aber gut. Die Ausstattung an Küchenutensilien ist für einen passionierten Hobbykoch wie mich allerdings als "spärlich" bis "überaus dürftig" zu bezeichnen. Das Inventar lässt sich an einer Hand abzählen und die rostigen Töpfe nehme ich mir in den nächsten Tagen vor.


Aber jetzt zum Highlight: ein Gasherd! Das wollte ich schon immer mal haben. Zwar habe ich in Spanien schon ein paar Erfahrungen damit sammeln dürfen, aber so richtig selbst an so einem Teil zu kochen ist schon deluxe! Leider hat sich meine Kochleidenschaft bisher noch kaum entfalten können, aber dazu in Kürze mehr.


Zum Abschluus noch ein Wort zur Schaltzentrale meiner Wohnung: der Boiler. Das Teil ist riesig und stuert sowohl alle Heizungen in der Wohnung, wie auch das Wasser im Bad und in der Küche. Nach mehrtägigen Tests habe ich mittlerweile auch rausgefunden, wie man eine mittlere Temperatur zwischen Antarktis und Sahara herstellt (meinem Leatherman sei Dank). Ach ja, eine Waschmaschine hat sich auch in meine Küche verirrt ...

bachelor: Kampf der Bücher

Wie schon in meiner Einführung erwähnt, habe ich eine wenig kleine und durchaus unfeine Aufgabe mit nach England gebracht: meine Bachelorarbeit. Daher habe ich mich dazu durchgerungen mit dem Schreiben anzufangen.

Zum Start dann gleich mal die erste Enttäuschung: die Google Buchsuche. Eigentlich dachte ich, dass ich einige Bücher in Deutschland lassen kann und stattdessen die digitale Welt des Internets bemühe. Falsch gedacht. Für alle Unwissenden: In der Google Buchsuche sind viele Bücher als Scans der einzelnen Seiten verfügbar. Man kann einfach durchscrollen und die meist schlechte Qualität der Seiten bewundern. Der große Vorteil ist aber, dass man nicht extra zur nächsten Bibliothek hüpfen muss, um sich den Schinken nach Hause zu holen.

Mein Problem: Genau die Seiten, die ich brauche, fehlen! Immer! Stattdessen erscheint hin und wieder der nette Hinweis "Die Seite 632 ist nicht Teil dieser Buchvorschau". Na vielen Dank auch.

Dienstag, 6. Januar 2009

working life: Tonie on the phone

Das Annehmen von Kundengesprächen bei Elégance UK ist fester Bestandteil des Arbeitslebens (bisher aber nur meiner Kolleginnen). Mittlerweile kann ich den Dialog fehlerfrei mitsprechen und habe mich daher entschlossen ihn für die Nachwelt zu verewigen.

Die beteiligten Personen sind Tonie (T abgekürzt, weiblich, bitte nicht auf die Schreibweise festnageln), die mir gegenüber sitzt, und ein Customer bzw. eigentlich immer eine Customerin. Tonie ist geschätzt Mitte 40, dabei aber einfach nur cool unterwegs und extrem witzig.

T: Good Morning, Elégance, this is Tonie speaking. How can I help you? (Customerin will unbedingt einen Katalog anfordern, sich beschweren oder möchte unbedingt eine Bestellung aufgeben. In unserem Beispiel wird Letzteres angenommen.)

T: Can I take your customer reference number please? (Customerin sucht ihre Kundennummer in den entlegensten Winkeln ihrer Villa, was durchaus eine Weile in Anspruch nehmen kann, findet sie aber schließlich).

T: Could you just confirm the adress please? (Customerin rattert ihre Adresse runter. Im Schnitt habe ich 2,4 Sekunden gestoppt).

T: Can I take the item number please? Is there a size? (Customerin spuckt die Bestellnummer aus. Die angegebene Größe führt des Öfteren zu durchaus unterhaltsamen Bemerkungen durch Tonie im Anschluss an das Gespräch)

T: The trousers are available for you at 75£. Does that complete your order? (Customerin gibt nach Ende ihrer Bestellorgie bereitwillig ihre Zahlungsdaten an, z.B. Kreditkartennummer ihrer goldenen Visa Card)

T: The order has been placed for you. You should receive the order within the next 10 to 14 days. (Customerin ist entweder völlig aus dem Häusen und überglück oder beschwert sich, warum es soo lange dauert. Daraufhin muss Tonie ggf. erklären, dass die Ware extra aus "germany" für sie eingeflogen wird.)

T: Thank you. Bye bye.

Montag, 5. Januar 2009

food: fish and chips

Laut Wikipedia (zu dem ich ein gespaltenes Verhältnis pflege), handelt es sich bei "fish and chips" um das inoffizielle Nationalgericht Englands. Ich hatte heute in meiner Mittagspause das zweifelhafte Vergnügen eine Portion davon genießen zu dürfen.

Auf diesen Augebnblick das erste Mal fish and chips im Original zu essen, hatte ich mich sehr gefreut. Daher waren die Erwartungen hoch und sie wurden auch zum überwiegenden Teil erfüllt. Die chips (= pommes frites) waren nicht aus der Tüte, aber dennoch keinesfalls kross. Der Fisch war einfach nur riesig und in einen unfassbar fettigen Mantel gehüllt. Aber ich habe mir sagen lassen, dass die ganze Angelegenheit so sein muss. Insgesamt fand ich es lecker. Aber hier kommt der Haken an der Geschichte: fish and chips eignen sich nur für geübte Mägen als Mittagessen. Nach der Hälfte meiner Portion habe ich mich dafür entschieden alle chips zu essen, aber den Fisch als Add-on zu meiner Suppe heute Abend zu nutzen.


Wie man es schaffen soll nach dem Verzehr dieser Mahlzeit innerhalb der nächsten zwei Stunden einen klaren Gedanken beim Arbeiten zu fassen, ist mir bisher ein Rätsel.

working life: first day

Um gleich mit meiner Ankündigung zu brechen, gibt es erstmal Infos zu meinem ersten Arbeitstag in der Fremde. Cooles Team, coole Chefin, cooler Arbeitsplatz. Soweit die Kurzform.

Ich darf zwischen 08.00 und 09.00 Uhr anfangen, soll meine Mittagspause in die Zeit von 12.00 bis 14.00 Uhr legen und darf bleiben, so lange ich nicht der Letzte im Büro bin. Wenn ich mich nicht verzählt habe, dann sind wir insgesamt sieben Personen, aufgeteilt auf drei Büros. Angenehmer Nebeneffekt: das Team besteht nur aus Frauen. Da meine Chefin (Geschäftsführerin) aus Deutschland kommt und in Bamberg studiert hat, gab es schonmal keine Startschwierigkeiten.

Meine Aufgaben werden wir im Laufe der Woche definieren. Was fest steht ist, dass ich meine Bachelorarbeit schreiben muss und dafür Arbeitszeit verwenden darf. Genaueres muss noch geklärt werden.