Mittwoch, 15. Juli 2009

Kanada in Dänemark

Wer meint, dass mein Globus auf dem Weg in den Norden eine Macke bekommen hat, der irrt. Diesmal gibt es eine kleine Einführung in die fränkische Wortspiel-Kunst.

Der erste Teil des Titels leitet sich aus dem fränkischen Ausdruck für "derzeit ist keine Person in Sichtweite" ab, nämlich "kanner da". Die Verbindung zu Dänemark lässt sich sehr einfach erklären, wenn man weiß, das der Juli der traditionelle Reise- und Urlaubsmonat der Dänen ist. Das bedeutet, dass sich nahezu alle 5 Mio. Einwohner dieses Landes gleichzeitig und fluchtartig außer Landes begeben.

Die Folgen liegen auf der Hand: in Dänemark "is die Katz gfreggd" (fränkisch für gefreckt = verendet), was so viel heißt wie "Tote Hose". Nicht nur in den Unternehmen herrscht gähnende Leere (ich würde schätzen, dass Bon'A Parte derzeit mit 30 bis 50% der Mitarbeiter besetzt ist). Auch die Hauptstraßen in Ikast sind zur klassisch-deutschen Rush-Hour um 17.00 einfach leer.

Dienstag, 14. Juli 2009

Arbeit und Co.

In unserem Intranet lies man des Öfteren von einem Spezialversender mit "Wohlfühlmode für die ganze Familie". Gemeint ist Bon'A Parte, also mein derzeitiger Arbeitgeber im weitesten Sinne. Auf die Frage, was das Unternehmen besonders macht gibt es zwei Antwortmöglich-keiten: Frauen würden sagen "Der Katalog!"oder "Die Qualität!" (stimmt sogar). Nach fast drei Jahren bei Primondo würde ich selbst aber eher "Die unfassbar umfangreiche Unabhängigkeit von den Mühlen deutscher Konzernpolitik" als Antwort geben.

Das hat wiederum zwei Gründe: Zum einen befindet sich der Sitz des Unternehmens hier in Ikast und nicht in Deutschland. Zum anderen gibt es hier Alles (!) vor Ort, was ein ordentlicher Versandhändler braucht. Ich war daher mehr als erstaunt, als ich gestern nach einem kurzen Streifzug durch: Nr. 2 (Empfang, Buchhaltung, Controlling, Personal), Nr. 7 (Marketing, Design, Einkauf), Nr. 37 (Lager, Retouren, Call Center) alle Abteilungen des Unternehmens gesehen hatte. Die Zahlen stehen dabei für die Hausnummern im Thrigesvej (eigentlich müsste es Bon'A Parte-Straße heißen).


Ich selbst habe meinen Schreibtisch in Nr.7, da ich im Web-team eingesetzt bin. Weitere Details zu Ausstattung, Betreuung, Unternehmenskultur, etc. gibt es in den nächsten Tagen (ich bin dermaßen positiv überrascht, dass ich es erstmal verarbeiten muss).

Nur für Lara: Scheiterhaufen ist ein süßer Auflauf mit einer Schichtung aus Brötchen, Apfel, Rosinen und einem Mix aus Milch und Ei. Extrem Lecker!

Montag, 13. Juli 2009

cool down ...

Vor lauter Genuss des ersten freien Abends seit einer gefühlten Ewigkeit habe ich das Bloggen leider vergessen. Daher nur das Nötigste in Kürze: mir gehts gut, Arbeit rockt, ich bin entspannt!

Sonntag, 12. Juli 2009

Anreise in vier Akten

1. Akt - zu früh!
Ich habe verschlafen, packe sämtliche Reste ein, die mir über den Weg laufen. Um 06.15 geht es schließlich los. Die Autobahnen sind leer, Nebel hängt an allen Ecken und Enden, aber in halbgeisitger Umnachtung lässt es sich gut fahren.

2. Akt - Danke Angie
Auf der A7 angelangt muss ich die schmerzhaften Auswirkungen deutscher Politik am eigenen Leib ertragen: eine endlos erscheinende Aneinander-Reihung zahlloser Baustellen. Vielen Dank für das Konjunkturpaket, liebe Angela!

3. Akt - Tempomat bitte
Dänische Autobahnen zeichnen sich durch einfache Regeln aus: entweder 110 oder 130 km/h sind erlaubt. Das klingt nach entspanntem Fahren. Genießen kann man es aber wohl nur mit elektronischem Helfer, der dem Gaspedal sagt was es zu tun hat.

4. Akt - Endlich
Gefühlte 16 Baustellen, geschätzte 8,5 Stunden (inkl. Pausen) und 870km später bin ich endlich angekommen. Ein besonderer Dank geht an Mona, die wie immer eine tolle Leistung gebracht hat.

Übrigens: Mona ist der Name des Corsa's. Sie gehört zwar meiner Mama, ist aber eine Leihgabe für die nächsten 2,5 Monate.

Samstag, 11. Juli 2009

ready, steady, go!

Nach einem Tag voller "was muss ich denn eigentlich mitnehmen?" und einer kleinen Familien-Abschieds-Tournee sind meine sieben Sachen jetzt gepackt, das Navi ist programmiert, das Auto voll (allerdings nur mit Benzin, nicht mit Gepäck).

Auch meine obligatorische Henkersmahlzeit habe ich genossen (diesmal gab es Kartoffelsuppe und anschließend Scheiterhaufen, also mal wieder ziemlich fränkisch).

... kurzum: Alles ist bereit! Morgen geht es los!

Freitag, 10. Juli 2009

the early bird vs. the second mouse

Es fällt mir schwer nach fast vier Monaten Blog-Abstinenz wieder den Einstieg in mein Schreiber-leben zu finden. Aber ich habe einfach zu vielen Menschen versprochen meinen Blog weiter zu führen und so ein bisschen freue ich mich auch wieder auf die tägliche Digitalisierung meiner Gedanken.

Diesmal hat es mich für einen Praxisstep bis Ende September nach Dänemark verschlagen. Zugegebenermaßen hat mein Aufenthalt in England die Messlatte in vielerlei Hinsicht extrem hoch gehängt. Das betrifft Alles von A wie Arbeit bis Z wie Zugfahren. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich mir vorgenommen nicht jedes Detail mit meinem letzten Auslandssemester zu vergleichen. Ich werde versuchen alle neuen Eindrücke auch als neu zu bewerten.

Auf die Frage warum ich schon wieder im Ausland unterwegs bin gibt es drei Antworten: Zum einen ist es eine einmalige Chance für mich ein zweites Auslandssemester zu absolvieren. Zum anderen kann ich damit der brodelnden Quelle entfliehen und komme schließlich ich den Genuss eines skandinavischen Sommers (so hoffe ich zumindest).

Für alle Nostalgiker habe ich die alten Blogposts nicht gelöscht, sondern knüpfe nahtlos an meine Niederschriften aus Nottingham an.

Dienstag, 17. März 2009

Das Projekt "cs in Nottingham"

Ein Projekt ist „ein Vorhaben, bei dem innerhalb einer definierten Zeitspanne ein definiertes Ziel erreicht werden soll, und das sich dadurch auszeichnet, dass es im Wesentlichen ein einmaliges Vorhaben ist.“ So zumindest die Definition laut DIN 69901. Was kryptisch klingt ist die Basis für die review meiner Erlebnisse in Nottingham, denn wer mich kennt, der weiß, dass ich Projekte leibe. In diesem Sinne: Yes, this is going to be the last blogpost for "cs in Nottingham" and yes, it is going to be one of the long ones.


Teilprojket 1 (Travel)


Dieser Teilbereich meines Vorhabens hatte das Ziel möglichst viele neue Eindrücke über Land und Leute zu gewinnen. Eine der großen Restriktionen war dabei leider meine Bachelorarbeit, wobei ich trotzdem der Meinung bin jede Menge Neues gelernt zu haben. Ich finde, dass England aus deutscher Sicht oft hinter seinen Möglichkeiten als Reiseland zurück bliebt. Es gibt viele schöne Städte und Landstriche, die es sich in jedem Fall zu sehen lohnt. Schlimmer noch ist es, wenn es um die Meinung über Engländer an sich geht. Der Nationalstolz hält sich in einem verträglichen Rahmen und beeinflusst das Leben in UK tendenziell positiv. Ja, sie sind ein wenig eigenartig und haben manch komische Angewohnheit, aber trotzdem (oder vielmehr: genau deswegen) habe ich mich dort sehr wohl gefühlt. Ich musste häufig über die eine oder andere Macke der Leute auf der Insel schmunzeln, aber das macht es irgendwie auch aus. Am meisten überrascht hat mich die Offenheit und die Toleranz nahezu Aller, denen ich in den letzten Monaten begegnet bin.


Teilprojekt 2 (Fachliches)

Laut dem Beurteilungsgespräch mit Katrin, habe ich bereits viel Wissen in verschiedenen Bereichen mit nach Nottingham gebracht, habe es aber geschafft mein Wissen während meines Praxissteps zu verknüpfen. Soweit die Kurzfassung. Ich persönlich habe es vor allem genossen wieder in einem kleinen (und mehr als genialen) Team zu arbeiten. Das scheint die Grundlage gewesen zu sein, warum ich Spaß an der Sache hatte und immer mit vollem Elan bei der Sache war. Auf der anderen Seite hat es mich angespornt, dass bei Elégance UK noch nicht Alles perfekt ist und ich daher an vielen Stellen gleichzeitig basteln konnte, um Neuerungen oder Verbesserungen zu erarbeiten. Schließlich durfte ich Bereiche kennen lernen, die ich bisher so noch nicht kennen gelernt hatte. Dazu zählen vor allem die diversen Print-Projekte. Im Endeffekt ist es wohl der Überblick über alle Teile des Unternehmens, der dazu geführt hat, dass ich meiner Kreativität an vielen Stellen freien Lauf lassen konnte, anstatt sie nur für kleinere Privatprojekte zu nutzen. Das ist ein gutes Zeichen, wie ich finde!


Teilprojekt 3 (Persönliches)

Die Beurteilung in diesem Teil des Projekts fällt mir mit Abstand am schwersten, da ich weder genau sagen kann, was das Ziel war, noch was davon ich erreicht habe. Allerdings muss ich feststellen, dass ich viele Dinge über Frauen im Allgemeinen gelernt habe (hard stuff, but good to know). Spaß beiseite. Es war spannend die unterschiedlichen Charaktere im Team kennen zu lernen (und das alles erschwert durch einen Dialekt, der es mir nicht immer einfach gemacht hat). Ich habe aber auch das Gefühl neue Freundschaften gewonnen zu haben, was ich in dieser Form nicht erwartet hatte. Meiner Chefin (Katrin) habe ich Vieles zu verdanken, was ich auch an dieser Stelle nochmal loswerden muss.
















Trotzdem war nicht immer Alles great und und ich nicht immer happy. Ich hatte auch besch*** Tage und Situationen, die ich gerne lieber nicht erlebt hätte. Ich musste auch Misserfolge einstecken (siehe Fußball-Karten) und habe auch nicht alle meine Ziele erreicht (ja, die Bachelorarbeit ist immernoch nicht fertig, aber trotzdem durchgestrichen). But I just don't care. I really had a perfect time (sorry for repeat). There is nothing I would change if I could.

Doch anstatt noch weitere Worte zu verschwenden möchte ich das Projekt jetzt offiziell abschließen. Es hat mir extrem viel Spaß gemacht meine Eindrücke nieder zu schreiben und alle daheim Gebliebenen daran teilhaben zu lassen. Vielen Dank für die vielen Kommentare und Rückmeldungen. Ihr wart ein tolles Publikum. Aber nicht traurig sein, denn es wird eine Fortsetzung geben, wenn ich im Sommer nach Dänemark reise. Bis dahin. Thank you very much!