Donnerstag, 5. Februar 2009

co: german girl vs. left-hand-traffic

"... We've booked car lessons for you to become more confident within the left-hand traffic!..." Gott sei dank, dachte ich mir. Endlich Fahrstunden nach denen ich mich hoffentlich sicherer auf Brittaniens Straßen fühle und umgekehrt keine allgemeine Bedrohung mehr für den Verkehr Northamptons bin. ...Wie, gleich einen ganzen Tag Fahrschule? Bin ich etwa soooo schlecht bei der Probefahrt gefahren? Na gut dachte ich, dann stellt mir die Firma wenigstens mein eigenes Auto ... also Augen zu und einen ganzen Tag durchhalten!!

Nun ist also der Tag aller Tage gekommen: Mein Fahrschultag. Ach herrlich ein kleines altes Männchen sitz da und tut sich das an mit mir den ganzen Tag unterwegs zu sein...- wenn der wüsste! ;-)

Nach der ersten Theoriestunde war klar, dass ein weiteres Problem neben der Gangschaltung auf der linken Seite, der fiese Dialekt des Fahrlehrers sein wird. Was wenn er etwas Überlebenswichtiges sagt, während ich mit meinen 100 fahre und ich versteh es nicht? Ruhig bleiben, dachte ich mir, das wird schon. Um nicht ein allzu großes Risiko einzugehen, hab ich mir im Vorfeld alle Speedlimits gemerkt und (wichtig!) die Vorfahrtsregeln. Jetzt kanns losgehen!

Doch schon nach der ersten Kurve ist mir bewusst geworden, dass es schwieriger werden könnte als gedacht:
1. auf der LINKEN Spur bleiben
2. mit der LINKEN Hand zur Gangschaltung greifen
3. den RICHTIGEN GANG finden
4. SCHAUEN!!!!
5. und den komisch nuschelnden Engländer verstehen ...

Diese Regeln einzuhalten ist verdammt schwer! Nachdem der Fahrlehrer sich nach einem Manöver massiv in den Sitz eingekrallt hat, glaube ich wollte er nicht nochmal das Gefühl haben gleich zu sterben. Er beschloss extrem langsam zu sprechen und deutlich (das Manöver war zwar nicht cool, aber wenigstens eine Verbesserung trat ein: ich VERSTAND den Fahrlehrer und somit wird der Punkt 5. nun leichter einzuhalten sein :-)

Nachdem ich dann in den engen Straßen von NH gefahren bin (zur Erinnerung: Auf der richtigen linken Seite, mit links schalten, den richtigen Gang finden, gucken und das alles zur selben Zeit) und ich mich anscheinend gut angestellt hab, beschloss der Fahrlehrer eine Stufe weiter zu gehen: an parkenden Autos vorbeizufahren (die Deppen parken aber so, dass da kein Gegenverkehr durchpasst, sprich nur ein Auto kommt auf einer befahrenen Hauptstraße vorbei). Nachdem ich den Gegenverkehr entdeckt hab, der unaufhaltsam auf mich zukommt, ich aber nicht links ausweichen kann weil da die verdammten Autos stehen, hab ich kurzerhand die Hände vom Lenkrad genommen vor meine Augen gehalten und "Oh my God!" geschrien. Gut dass der Fahrlehrer da war- aber der fand das glaub ich nicht so lustig :o)

Nachdem wir beide wieder überlebt haben, kam die Strafe prompt: ich durfte den ganzen Nachmittag an parkenden Autos vorbeifahren.... vier Stunden lang- aber ich konnt es danach! Ich machte drei Kreuzchen, nachdem der Fahrschultag vorbei war (ich glaub der Fahrlehrer auch). Und er stellte mir bereitwillig aus, dass ich eine sichere Fahrerin bin und nun auf die Briten losgelassen werden darf.

Ja, ich kann jetzt fahren im Linksverkehr... aber seit 3 Tagen darf ich nicht. Grund: Der Schnee!!!

Happy Birthday

Eine neue Nutzungsmöglichkeit für meinen Blog: Geburtstagsgrüße übermitteln. Heute gehen die Glückwünsche an René.

Happy Birthday from Nottingham!

zu viel Schnee!

England erlebte heute die schwersten Schneefälle seit 18 (!) Jahren. Nach deutschen Verhältnissen sind 10cm Neuschnee keine Sensation, aber nach britischem Empfinden ersticken wir im Schnee.

Die Folgen
Dass sich die Verkehrssituation dadurch nicht gebessert hat, müsste Jedem klar sein. Heute konnte ich live beobachten, wie Autos nicht fahren, sondern gemütlich vor sich hin rutschen. Um 09.00 Uhr habe ich im Radio gehört, dass 350 Schulen geschlossen blieben, aber dass sich Anrufer bitte gedulden sollen, weil die Leistungen der Radiostation überlastet waren. Neben Schulen waren aber auch etliche Offices geschlossen. Davon waren auch Conni und ich betroffen.

Auf Grund meines kurzen Arbeitswegs, hatte ich großes Glück im Vergleich zu meinen Kolleginnen. Zwar trafen sie nach und nach im Büro ein, aber am Gesichtsausdruck jeder Einzelnen war zu erkennen, dass die Fahrt alles andere als ein Spaß war. Um der Gefahr zu entgehen, dass die weiße Pracht eine innige Verbindung mit den Straßen eingeht (Glatteis), entschlossen wir dne heutigen Tag als "Home-Office" Tag zu nutzen und gingen allesamt wieder nach Hause. Passend dazu sprach die britische Regierung eine Warnung aus und bat alle Bürger das Haus nur zu verlassen, wenn unbedingt nötig. Einfach unfassbar. Ohne Worte.


Die Gründe
Eigentlich ganz einfach: erstens gibt es hier in England keine Winterreifen. Wer schonmal selbst erlebt hat, welche Eigendynamik ein fahrbarer Untersatz mit Sommerreifen auf Schnee entwickeln kann, der weiß, dass das nur abseits des Straßenverkehrs Spaß macht (dann aber umso mehr). Zweitens sind Räum- und Streudienste auf den Straßen eher selten gesehen, denn es gibt sie kaum. Wie ich von meiner bestens unterrichteten Mitstreiterin erfahren habe, wird das Streusalz langsam knapp. Es werden nur 30.000 Tonnen pro Woche produziert, derzeit aber 25.000 Tonnen am Tag verbraucht.

Das Beste zum Schluss: ein Ende der Schneefälle ist nicht in Sicht (zumindest ist morgen wohl wieder der Süden dran (London, etc.) und wir hier im mittleren Osten bleiben hoffentlich verschont).

Mittwoch, 4. Februar 2009

ice scating

Wie manchem sicherlich nicht entgangen sein dürfte, hatte England die Ehre in den letzten Tagen Besuch von einer russischen Kaltfront zu bekommen. Aber anstatt einfach nur kalte Luft mitzubringen, hatte sie auch ein wenig Schnee im Gepäck.

Eigentlich kein Problem. Schnee eben. Allerdings musste ich feststellen, dass es sich dabei um eine sehr deutsche Sichtweise handelt. Briten empfinden das als eine Mischung aus Sensation und Katastrophe. Zwar hatten sie wohl schonmal Schnee gesehen, aber anscheinend nie gelernt wie man damit umgeht. Das Ergebnis war der großflächige Ausfall des Transportsystems, geschlossene Schulen und auch Boutiquen (unsere Verkäuferinnen haben es am Montag nicht geschafft in die Innenstadt Londons zu gelangen). Spaß an der Sache hat man vor allem als Fußgänger. Denn Schneeschippen kennt hier wohl Niemand (oder man wird einfach nicht verklagt, wenn es vor seinem Haus ein Kind auf den Allerwertesten legt).

















Mein Weg zur Arbeit und zurück gleicht seither einer wilden Gehsteig-Achterbahn. Riesige Eispisten sorgen dafür, dass man schon wach sein muss, bevor man im Office angelangt ist. Oberstes Gebot an dieser Stelle: Hände aus den Taschen. Das mag zwar kalt sein, aber zumindest entgeht man damit der Chance dem Asphalt mit der Nase "good morning" zu wünschen.


(NACHTRAG (05.02.): die bisherige Geschichte wäre schon ganz witzig gewesen. Mein Blick aus dem Fenster heute Morgen hat mir aber verraten, dass wir das Ende des Tunnels noch lange nicht erreicht haben. Vielmehr stecken wir mitten drin (sowohl im Tunnel als auch im Schnee)).

Dienstag, 3. Februar 2009

frustrated !

Eigentlich wollte ich den Blog nicht zu stark mit meinem Frust penetrieren, aber es ist mal wieder so weit: ich bin genervt! Diesmal geht es um eines meiner Ziele, das da lautet "Premierleague Spiel". Eigentlich stellt man sich das nicht so schwierig vor. Ticket kaufen, ins Stadion gehen, fertig. Leider scheitere ich derzeit regelmäßig am ersten Punkt in der Kette.

Am Freitag musste ich feststellen, dass Manchester United seine Tickets nur an "Members" verkauft und Normalos wie ich keine Chance haben. Heute wurde ich dann damit konfrontiert, dass Liverpool schon mit einem durchschnittlichen Heimspiel überfordert ist. Hier zumindest mal ein Bild vom Stadion, das ich mir sooo gerne anschauen und vor allem erleben möchte.


Der Internet-Sale war nach 13 Minuten ausverkauft (ich hab die Seite nichtmal zu Gesicht bekommen, weil die Server überlastet waren). Blieb mir also noch das Telefon. Nachdem ich mir knapp 3 Stunden lang die Finger wund getippt hatte und jedes mal "all our operators are busy" anhören durfte, waren auch per Telefon alle Tickets weg. Na vielen Dank auch!

Montag, 2. Februar 2009

Quelle 2.0

Während eines BA-Studiums wird man des Öfteren gefragt "Und wo arbeitest du?" - "Quelle" - "Oh!". Dieser Dialog ist durchaus nicht ungewöhnlich, aber ich habe gelernt damit umzugehen. Immerhin hängt es nicht zwingend vom Unternehmen an sich ab, ob es "cool" ist, sondern vielmehr von den Menschen, mit denen man dort arbeitet. Aber zuück zum Thema. Hier in England findet ein solcher Dialog wohl eher selten statt, denn hier gibt es "Argos" und allem Anschein hat vor allem deren Katalog eine Art Kultstatus (hat der Quelle-Katalog sicher auch, aber nicht immer im positiven Sinn).

Das wirklich coole daran, ist jedoch weniger der Katalog als vielmehr deren Shops (wie ich finde). Sie gleichen einem Mini-Konsumtempel, der von Jung und Alt gleichermaßen als das "Amazon der analogen Welt" bezeichnet werden kann, denn a) es gibt alles und b) ist das Einkaufen extrem einfach.


Man sucht sich zunächst eines der "Order-Desks" aus und blättert genüsslich im Katalog. Findet man, wonach man gesucht hat, gibt man die Bestellnummer in das rote Terminal ein und sieht sofort, ob der Artikel verfügbar ist. Hat man sich entschlossen genug geshoppt zu haben, so kann man an einem der Bezahl-Terminals sein Geld los werden. Wenn man Glück hat und ein Teil der Ware vor Ort verfügbar ist, trottet man zur Warenausgabe, schnappt sich seinen Einkauf und fertig.


Das Konzept gefällt mir vor allem auf Grund seiner Un-Komplexität. Was mich daran aber wirklich erstaunt hat, ist die Tatsache, dass es jeder "cool" findet. Egal ab jung oder alt. Es geht mir weniger um das Store-konzept als vielmehr die breite Akzeptanz. Ein bisschen back to the roots im Sinne von "Erstmal sehen, was Quelle hat". Das ist meine Vorstellung von Quelle 2.0 ...

Sonntag, 1. Februar 2009

travel: englische Strumpfhosen

Welch ein ungewöhnlicher Titel, mag sich mancher gedacht haben. Wer allerdings einmal das Vergnügen hatte im Winter nach England zu reisen, der wird es verstehen.

Für den ungewöhnlichen Fall, dass es mich auf einer meiner nächsten Reisen nach Sibiren oder ähnlich kalte Gefilde verschlagen sollte, packe ich meinen Koffer wie folgt: eine von Mama gestrickte Pudelmütze, warme Handschuhe, klobige (mit Lammfell gefütterte) Stiefel, eine Original "Thermos"-Kanne, einen richtig dicken Schlafsack und: eine englische Strumpfhose!

Eigentlich hätte es Jedem schon bei dem Film "Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" klar sein müssen, dass an diesen Dingern etwas Besonderes dran ist. Ich habe rausgefunden, was es ist: sie eignen sich auf erstaunliche Weise, um jegliche Art von Kälteeinwirkungen abzuwehren. Wer es nicht glaubt, der begutachte einfach folgende Beweis-Fotos ...


Es ist unfassbar, wie viele Frauen jeglichen Alters (von 10 bis 56) bei derartigen Temperaturen (heute hat es zudem noch geschneit) mit Rock oder wahlweise Hotpants, stilsicher kombiniert mit einer breiten Farbauswahl an Strumpfhosen, hier durch die Straßen laufen. Leider beschränkt sich dieses Phänomen nicht auf alle Vetreterinnen der Bauweise "da schaut man gerne hin".